Man kann sich der Frage kaum entziehen, ob Bitcoin von Beginn an eine Architekturlücke in sich trägt – oder ob diese Leerstelle bewusst offen gelassen wurde. Nicht im technischen Sinne, sondern im gesellschaftlichen. Bitcoin löst ein zentrales Problem brillant: das Vertrauensproblem. Doch es beantwortet nicht die Frage, was passiert, wenn Bitcoin nicht mehr privat, nicht mehr experimentell, nicht mehr randständig ist – sondern sichtbar, wertvoll und gemeinschaftlich relevant wird.
Haben die Entwickler vorausgesetzt, dass sich mit steigendem Wert automatisch neue soziale Umgangsformen entwickeln? Dass Menschen lernen würden, Schlüssel gemeinschaftlich, verantwortungsvoll und langfristig zu organisieren? Oder sind sie schlicht davon ausgegangen, dass Bitcoin nie mehr sein würde als ein pseudonymes Zahlungssystem zwischen Individuen?
Vieles spricht dafür, dass Bitcoin konsequent als Zahlungsprotokoll gedacht wurde – nicht als generationsübergreifendes Wertlager. Nicht als Bilanzposten. Nicht als Konzernreserve. Nicht als Erbmasse. Nicht als Vermögensstruktur für Familien, Organisationen oder Staaten. Die Schlüsselarchitektur ist entsprechend radikal individualistisch: ein Schlüssel, ein Besitzer, eine Verantwortung. Was fehlt, ist keine Kryptografie – sondern eine Antwort auf die Frage der Verantwortung jenseits des Individuums.